BERICHT AERO 2007 von Werner Fischer

Die Aero in Friedrichshafen findet im 2 Jahresrythmus statt und kann als wichtigster "Gradmesser" im deutschsprachigen Raum
(nicht nur für die Leichtfliegerei) bezeichnet werden. Hier werden zukünftige Trends und mögliche Entwicklungen unserer EL/UL
Szene gezeigt. Der nachfolgende Bericht gibt subjektive Messeeindrücke wieder, ob der Trend nun allen gefällt bleibt den Nach-
fragern überlassen. Die genannten Preise sind in der Regel als ca. Preise inkl. BRD MWSt (19%) zu verstehen.

Nicht wenige der hier einmal gezeigten neuen Modelle werden später in unseren Breiten
nie zugelassen und wieder von der Bildfläche verschwinden. Die etablierten Hersteller
übten sich mehrheitlich in der Modellpflege, Detailverbesserungen und Konsolidierung
des Erreichten. Wenn von ökonomischen Grundsätzen ausgegangen wird, orientiert sich
das Angebot eines Marktes an der Nachfrage. Offensichtlich konzentriert sich im EL/UL
Bereich die Nachfrage auf Mittel- bis Hochleistungsmodelle ab 50t bis über 100t Euro.
Man sah jedoch auch z.B. Dewald mit einer kostengünstigen Einstiegsvariante seines
Sunnys um 20t Euro. Von der amerikanischen LSA Klasse war noch nicht viel zu spüren,
trotzdem ist dieser Markt für einige der etablierten Hersteller nun der Hauptabsatzmarkt
mit interessanten Stückzahlen. Trikes Hersteller haben sich noch sehr wenige nach Fried-
richshafen gewagt, es war jedoch interessant und bereichernd z.B. die Produkte des be-
kannten französischen Herstellers Air Création zu sehen. Im Motorensektor waren, wie
immer neue Projekte zu sehen, die die marktbeherrschende Stellung von Rotax beeinflus-
sen möchten. Es waren auch interessante Umrüstkits für Einspritzsysteme von Rotax zu
sehen.

Die angebotenen Avionik- und Streckenplanungssysteme wären alleine schon tages-
füllend gewesen und sehr interessant. Glascockpits und leichte EFIS Systeme fanden
den Weg nun auch vermehrt in EL/UL Cockpits. Wer das möchte und auch bezahlen
kann, findet gute und funktionierende Angebote. Auch leichte Funkgeräte, Transponder
und verbesserte GPS Systeme waren zu sehen und sind im Trend. Bei den zahlreichen
Aeroshops stellten sich Gefühle ein, vermutlich ähnlich wie wenn meine Frau ein Kleider-
geschäft betritt.

Nun zu den wahllos herausgepickten Herstellern/Modelle von Dreiachsern UL/EL.

Einfachmodelle Rohr/Tuch


Dewald/Sunny
Dewald zeigte seinen Sunny in offener Tandem Anordnung in einer kostengünstigen light
Einstiegsversion, motorisiert mit einem Hirth Zweitaktmotor. Offensichtlich hat sich die
Verstimmung zwischen den beiden Hersteller wieder gelöst. Der Sunny ist als Nurflügler
mit Doppelflügeln im "Boxsystem" einfach zu fliegen und verfügt dank des niedrigen Leer-
gewichtes über eine enorme Zuladung. Die Reisegeschwindigkeit animiert zum Luftwan-
dern und Plauschfliegen. Ein UL für die Enthusiasten von einfachen und bezahlbaren Lö-
sungen. In der CH ist der Sunny nicht zugelassen.

Sky Ranger
Das vor allem in Frankreich sehr beliebte LTF UL zugelassene Modell wurde von Full
ausgestellt. Es gibt nun eine short Wing Version, auch die Bespannung wurde neu mit
UV resistentem Material angeboten. Der Sky Ranger ist ein ausgereiftes Bausatzflug-
zeug, das von verschiedenen Vertretern auch flugfertig angeboten wird. Die sparsame
und leichte Einstiegsvariante ist mit dem japanischen HKS 2-Zylinder Viertakt- Motor
bestückt. Mit dem Rotax 912 er Motor ausgerüstet erreicht der Sky Ranger eine realisti-
sche Reisegeschwindigkeit von ca. 130km/h, der Bausatzpreis inkl. Rotax 912 ist ab ca.
34t Euro zu veranschlagt.

Hanuman
Auch der indische Hanuman war zu sehen. Der Hanuman wird neben dem bekannten,
erfolgreichen X-Air in Europa als kostengünstiger Bausatz mit verschiedenen Motori-
sierungsvarianten angeboten. Der abgestrebte Hochdecker Bausatz ermöglicht ver-
schiedene Motorisierungsvarianten und hat ähnliche Flugleistungen wie der Sky Ranger.

Comco Ikarus
Ikarus stellte seinen Bestseller C42 in einer Schwimmer- und detailverbesserten Version
vor. Auch hier hielt "etwas Glas" im Cockpit Einzug. Die Sitzauflagen und das Interieur
wurden in trendigem Alcantara präsentiert. Elektrische Trimmung und verbesserte Kühl-
luftführung in der Cowling rundeten die Detailverbesserungen ab. Die C42 ist als gutmü-
tiges Schulflugzeug und guter Allrounder bekannt, ab realistischen 60t Euro zu haben.
Sie ist in der Schweiz zugelassen und zur Zeit in unserem Land das meistverkaufte EL.
Comco setzt auf Rotax 912 UL/S Motor. Die C42 hat mit einem realistischen Leerge-
wicht von unter 280kg inkl. Rettungsgerät eine echte Zuladung von gegen 200 kg. In der
Schweiz wird die C42 von Lightwing AG vertrieben.

RANS
Einer der Urväter der Dreiachs UL wurde von seinem BRD Vertreter präsentiert. Man
zeigte den LTF UL zugelassenen Coyote II in verschiedenen Ausführungen. Der Coyote II
Bausatz ist mit Rotax 912 ab ca. 43t (ohne MWSt) Euro zu haben.

Savage
Das schicke im "Piper Retrostyle" UL wird in Italien in anerkannter Qualität gefertigt.
Es wurde mit extra grossen Tundrareifen ausgestellt. Was man alles mit diesen Reifen
anstellen kann wurde eindrücklich mit Video präsentiert. Die Landungen und Starts in
einem Flussbett, auf "Steinbänken" waren eindrücklich. Die Savage wird von Tom Huber
in der BRD vertrieben, ist LTF UL zugelassen und wartet mit guten Leistungen und un-
kompliziertem Flugverhalten auf.

Ikarusflug
Natürlich fehlte die LTF UL zugelassene Eurofox Space nicht. Der liebevoll, tadellos
verarbeitete abgestrebte Hochdecker mit ca. 150 km/h Reiseleistung ist ab ca. 50t Euro
zu haben. Wer einen Hochdecker mit einer guten Klappflügelmechanik und Rotax 912
sucht, sollte sich den Eurofox näher betrachten.

Holzflugzeuge

Alpi Aviation
Leider sind uns, als überwiegend an moderne Werkstoffe orientierte Gesellschaft, die
Vorzüge längst etablierter Naturbaustoffe wie z.B. Holz zu wenig bewusst. Holz hat neben
hoher Festigkeit ein geringes spezifisches Gewicht und kennt keine Ermüdungserschei-
nungen (wenn es korrekt verarbeitet ist). Der Hersteller Alpi Aviation in Italien überraschte
mit seinem deutschen Vertriebspartner mit einem top Stand.

Sie präsentierten die LTF UL zugelassenen Flugzeuge Pioneer 200 und Pioneer 300.
Die Pioneer 200 ist ein gutmütiger Tiefdecker mit starrem Fahrwerk und einer Reise-
geschwindigkeit von um ca. 180 km/h, ab ca. 50t Euro mit Rotax 912 zu haben.

Die Pioneer 300 ist ein Hochleistungstiefdecker mit Einziehfahrwerk und hoher Reise-
leistung. Der deutsche Vertreter Michael Reiss verkauft die Flugzeuge über ihr tadelloses
Flugverhalten und die einwandfreie Verarbeitung. Wer einen Hochleister sucht, sollte die
Pioneer 300 unbedingt kennen lernen.

Metallflugzeuge

Roland Aircraft
Roland Air stellte die bewährten Zodiac Modelle aus. Den LTF UL zugelassenen Tief-
decker, auf der Basis der CH 602 XL/RG, wurde erstmals mit Einziehfahrwerk gezeigt.

Breezer
Ikarus Comco zeigte den von ihnen vertriebenen Tiefdecker Breezer, der in Norddeutsch-
land als Bausatzflugzeug und Fertigflugzeug hergestellt wird. Der Breezer ist mit vielen
Motorisierungsvarianten LTF UL zugelassenen und ist mit einer Reisegeschwindigkeit
um die 200km/h unterwegs, ist sorgfältig verarbeitet und ab ca. 70t Euro zu haben.

Tecnam
Dieser Name steht für bewährte italienische Metallflugzeuge in der UL und in der VLA
Klasse. Tecnam zeigte die verschiedenen Varianten seines Bestsellers P92 Echo/Bravo
und den Tiefdecker P96. Die Flugzeuge gelten als sehr solid, gutmütig, leistungsfähig und
geniessen einen sehr guten Ruf. In der Schweiz preist der Importeur die VLA Klasse mit
Zuladungsargumenten gegen die EL Klasse an, was ich schade finde. Er verschweigt
nämlich, dass Tecnam Flugzeuge in der UL Klasse kaum unter 320 kg Leergewicht auf-
weisen und deshalb eher zu den ziemlich schwereren Exemplaren zu zählen sind, die le-
galerweise in der UL Klasse eher einsitzig geflogen werden müssten. Dies ist jedoch ein
Problem des Herstellers und nicht der Vorschriften/Klasse.

Evektor Aerotechnik/Flugsportzentrum Bautzen
Hier wurde die Eurostar, ein Ganzmetalltiefdecker der Reiseklasse von dem im letzten
Jahr das 500. Flugzeug an den Eigentümer übergeben wurde, präsentiert. Der Eurostar
ging in der Schweiz als erstes zugelassenes EL in die Geschichte ein. Es ist sehr solide
verarbeitet, leichter als Tecnam und weist gute Flugleistungen- und Eigenschaften auf.
In der Schweiz wird der Eurostar von Gabus Aviation vertrieben.

Rapid
Full zeigte neben dem Sky Ranger auch noch den schnittigen Tiefdecker, früher als
Kappa bekannt, heute heisst das UL Rapid. Die Rapid verfügt über ein Einziehfahrwerk,
gutmütige Flugeigenschaften und soll noch im 2. Quartal LTF UL zugelassen sein.

Kunststoffflugzeuge

CT
Die CT war in den letzten Jahren das meistverkaufte UL in Deutschland und löste die
C42 in dieser Eigenschaft ab. Wenn das Budget stimmt, gibt es nicht sehr viel, was ge-
gen diesen auch in der Schweiz zugelassenen schnellen, freitragenden Hochdecker
spricht. Er ist solid verarbeitet, die aktuelle Version SW hat ein unkritisches Flugverhal-
ten, das Leergewicht stimmt, Festigkeitsprobleme sind keine bekannt. Die CT SW wurde
in 2 Versionen gezeigt, mit konventionellem Cockpit und mit Glascockpit. Die CT wird in
der Schweiz von Aerotec Ltd vertrieben. Für den Kauf sollten schon mal ab 80t Euro auf-
wärts budgetiert werden. Bei den Leistungen immer noch wesentlich vorteilhafter, als ent-
sprechende VLA Modelle, die da nicht mehr mithalten können.

FK Flugzeugbau
Bei FK wurde die ganze Palette vom Doppeldecker FK 12, der abgestrebte Hochdecker
FK 9 in der aktuellen short Wing Variante und der schnelle Tiefdecker FK 14 gezeigt. Die
FK 14 erhielt einen neuen Rumpf, ohne die für FK Flugzeuge traditionellen Rohrverstär-
kungen. Die FK Flugzeuge sind LTF UL zugelassen und werden vielleicht auch bald in der
Schweiz zertifiziert.

Remos
Die Remos G3/600ist der Nachfolger der G3 Mirage, einem abgestrebten Hochdecker in
einwandfreier, sorgfältiger und hochwertiger Verarbeitung. Das hat natürlich auch seinen
Preis, die gutmütigen Flugleistungen sind im Mittelfeld angesiedelt. Die in der Schweiz
zugelassene Remos G3 wird durch das Airsportcenter Mollis vertrieben.

Martin Wezel TL Flugzeugbau
Bei Martin Wezel waren verschiedene Modelle zu sehen. Da wäre der LTF UL zugelas-
sene flotte Reisetiefdecker Sting, der sicher zu den etablierten Hochleistern zählt.

Apis 2 und Viva sind interessante Motorsegler, der erste mit Klapptriebwerk, die Viva ein
side by side Tiefdecker mit Festantrieb.

Martin Wezel zeigte auch den Voll GFK Rohbau des Sirius als Condor Nachfolger, ein
abgestrebter Hochdecker. Von den Massen und der Form (Cessna like) her, eher als
LSA konzipiert, denke ich.

Flight-Team Pipistrel
Flight-Team zeigte die neuste Version des LTF UL zugelassenen, freitragenden Hoch-
decker Motorseglers Sinus, in Bugfahrwerkvariante. Wer einen Motorsegler sucht, sollte
den Sinus prüfen.

Ikarusflug
Aero Spool zeigte mit seinem deutschen Vertriebspartner Ikarusflug die bekannte LTF
UL zugelassene WT 9 Dynamik. Dieser flotte, hochwertige, Hochleistungstiefdecker mit
Einziehfahrwerk sollte nicht unerwähnt bleiben.

MCR 01
Natürlich wurde auch die bekannte MCR 01 draussen in verschiedenen Varianten aus-
gestellt. Dieses Flugzeug hätte meines Erachtens beim Erscheinen hohe Marktchancen
gehabt. Der sehr hohe Preis führte leider nicht zu einer weiten (dem Potential entspre-
chenden) Verbreitung.

Flysynthesis
Der italienische Storch ist erst seit kurzem mit dem australischem Jabiru Motor in der
BRD LTF UL zugelassen. Ein in Europa in verschiedenen Varianten gebautes und sehr
beliebtes Modell. Auch hier müssen mindestens 50t Euro den Besitzer wechseln.

Der rassige Tiefdecker Texan ist bedeutend teurer, aber auch leistungsfähiger. Dieses
schicke Modell ist nicht LTF UL zugelassen.


Es gab noch viele andere interessante bewährte, oder neue noch nicht
zugelassene UL/EL Flugzeuge, die den Rahmen dieser Berichterstattung
sprengen würde!

Werner Fischer






modernes Glascockpit


Sunny


Hanuman


Ikarus C42 mit Glascockpit


C42 mit Schwimmern


Savage mit Ballonreifen


Pioneer 300


Pioneer 200


Zodiac CH 602XL/RG


CT


FK 14


FK 9 mit Heckspornrad


Sinus


MCR 01 UL


Storchcockpit


Texan